Achtung: Kann Spuren der Bibel enthalten

Premiere im April:

Die legende vom anfang –
ein Schöpfungsexperiment
von Astrid Griesbach und Lennart Morgenstern

Hier muss içh mal den Programmzettel zitieren:
(Dramaturgie:Stephanie Preuß)
Schöpfen…
…das ist nicht nur eine aufregende, sondern auch eine anstrengende Angelegenheit – diese Erfahrung muss auch Gott machen. Nie kann man es allen recht machen, manche Schöpfungen erweisen sich als Blindgänger, und wäre das nicht schon aufreibend genug, mischt sich auch noch dieser Lutz Ifer ein! Wie soll denn so die neuerschaffene Welt in Perfektion erstrahlen?
Schöpfen und Schaffen, das schreit nach Puppentheater! Wir lassen mit Hilfe alltäglicher Kuriositäten die Geschichten des Buchs der Bücher voller Irrungen, Wirrungen, Geboten, Verboten und Chaos lebendig werden. Nichts ist naheliegender, schließlich sind diese Erzählungen seit Jahrtausenden Teil unseres kulturellen Erbes. Das hat einen guten Grund,handeln sie doch von Liebe, Verrat, Neid – Gefühlen, die zu jeder Zeit unser Leben begleiten.

Kurz und umfassend beschreiben diese Worte die Herangehensweise des Inszenierungsteams an das Buch der Bücher.
Mit respektvoller Respektlosigkeit werden Fragen nach der Entstehung der Welt beantwortet, die so vermutlich noch keiner gestellt hat.
Außer dem Freak, der auf dem Dachboden seiner Kinderzeit mitsamt den alten Spielsachen und allerlei Vintageplunder wiederbegegnet und damit eine verrückte, aber in ihrer unbekümmerten Widersprüchlichkeit schlüssige Interpretation der
Schöpfungsgeschichte „schöpft“.
Alle Gegenstände bekommen in dieser Geschichte eine Funktion,die mit ihrer ursprünglichen Bestimmung nicht mehr viel zu tun hat. Winkekatze wird Geldgott, Plastikpüppchen sind das Volk auf der Suche nach dem gelobten Land, der Arm des Spielers ist selbstredend ein Dino, und die Texte sind so mehrschichtig und voller Anspielungen, dass man aufpassen kann, soviel man will, irgend etwas bekommt man vermutlich erst beim zweiten Hinsehen mit.
Für nicht bibelfeste Menschen ab 9 bleibt in der ersten Ebene aber genug Spaß und Stoff für Fragen, mit denen sie Eltern und Lehrer in die Bredouille bringen könnten.
Die Aufführung ordnet sich auf ganz eigene Art als Soloabend des Spielers Lennart Morgenstern in die Reihe anderer Projekte ein, mit denen die Puppenspieler des Hauses ihre persönlichen Herausforderungen als Spieler, Regisseure, Autoren, Ausstatter suchen und finden können.
Es ist schön zu sehen, dass ein Ensembletheater Raum für künstlerische Individualität zu schaffen sucht und dabei den Spielern kompetente Partner zur Seite stellt, in diesem Fall Prof. Astrid Griesbach, Dozentin und Regisseurin, für deren unorthodoxe
Sichtweise auf literarische Stoffe es ja in Magdeburg bemerkenswerte Beispiele (Faust , Untertan…) gibt.
Dem teamwork des Abends verleiht die Ausstatterin Lisette Schürer eine eigene Note , besonders in der Gestaltung des Spiel-Raumes zwischen Begrenzung und Phantasiewelt.
Da fällt mir auf, dass sich auch im szenografischen Bereich am Puppentheater Magdeburg eine große Weiterentwicklumg vollzogen hat. Die Bühnenräume haben sich endgültig von ihrem Schattendasein als Puppenumgebung emanzipiert und zu einer schönen, eigenen Sprache gefunden.
Alles in allem: großer Spaß mit Hintersinn, und für mich schön anzusehen, wie ein Puppenspieler nicht nur handwerklich bewältigt, sondern intellektuell durchdringt, was er mir mit-denkendem Zuschauer als Angebot unterbreitet.
Der rasante Kampf mit der Tücke der Objekte vertrüge noch einige wenige absichtsvoll kontrastierende Ruhepunkte, aber das wird sich bestimmt im weiteren Verlauf der Vorstellungen ergeben.
Eine Frage treibt mich um: woher hat Frau Schürer die vielen scheußlich – schönen Wäschepuffs?

E.S.