Verein trifft Puppentheater

JOJO AM RANDE DER WELT

 

Die neueste Premiere im Puppentheater fand  eine einmütig positive Resonanz bei  Kindern (P 12) und erwachsenen Zuschauern.

„VEREIN TRIFFT PUPPENTHEATER“ fand am Tag nach der Jojo- Premiere statt. Das Puppentheater hatte diese Vorstellung eigens für unseren Förderverein zusätzlich ins Programm genommen.

28 durch den Verein geworbene Personen  (davon 12 Vereinsmitglieder) nahmen die Gelegenheit wahr, die Aufführung zu erleben. Durch die große Nachfrage im freien Kartenverkauf  waren dennoch alle 67 Plätze der Kleinen Bühne besetzt.

Das preisgekrönte Stück des französischen Autoren Stéphane Joubertie erzählt berührend und urkomisch vom Weg eines halbwüchsigen Jungen  aus der Kindheit ins Erwachsen- Werden.

Beim Abschied von Märchen- und Comic-Helden seiner Kindheit trifft Jojo (Leonhard Schubert) auf die etwas verpeilte Fee Anita ( köstlich zwischen flattriger Überforderung und lakonisch- schnörkellosem Realitätssinn:Claudia Luise Bose ) und gewinnt in der dementen Feenmutter Jilette eine Freundin, die auch nach ihrem letzten Weg zu den Sternen in seinem Herzen bleiben wird. Jilette ist eine Figur im Rollstuhl, die wechselnd oder simultan von allen drei Spielern geführt wird(Puppengestaltung: Melanie Sowa/ Mario Hohmann).Die Wechsel in Sprache und Puppenführung waren so organisch, dass keine Brüche entstanden. Präzise und klar, dabei empathisch und komisch  hatte diese Fee trotz ihrer Demenz den Sinn fürs Wesentliche nicht verloren.

Regisseur Moritz Sostmann „verpackte“ die psychologisch vielschichtige Story in einen Varieté-Elemente zitierenden Rahmen, der der Kunstfertigkeit der Spieler ebenso Raum gab wie dem Lachen, Sentiment und Ergriffen- Sein bei den Zuschauern (Bühne/ Kostüme: Klemens Kühn).

Lennart Morgenstern verbindet als smarter Entertainer die Elemente der Handlung und spielt verschiedenste Figuren in rasantem Wechsel mit Bose und Schubert.

Na, und dieser Schubert: da steht ein schlaksiger Junge verloren auf der Bühne rum und guckt so…meinen gesamten Vorrat an Mitleid hat er an diesem Abend aufgebraucht.

Sein vorerst einziger Gesprächspartner ist ein Fußball, dem die Luft ausgeht.

 Für den weiten Weg ins eigene Herz, den Jojo in den 80 Minuten des Spiels zurücklegt, hat Regisseur Sostmann  dem Darsteller eine große Spannweite  künstlerischer Mittel vorgelegt, die Schubert individuellen Freiraum gaben, ohne den Bogen der Handlung zu verlieren.

Der Applaus war reichlich und verdient.

 Nach der Aufführung stellten sich Regisseur ,Puppenspieler, die stückbegleitende Dramaturgin Katrin Gellrich und Intendant Michael Kempchen dem Gespräch mit 8  interessierten Vereinsmitgliedern, das den gehaltvollen Abend abrundete und Einblick in künstlerische Schaffensprozesse gab.

Und das sollte ja eigentlich ein wesentlicher Bestandteil des Vereinslebens sein: unsere Mitglieder wissen mehr über IHR Theater !

 Wenn das Stück in der neuen Spielzeit wiederaufgenommen wird, sollten alle , die  noch nicht da waren, diese schöne und wesentliche Aufführung ansehen! Wiederholungstäter sind besonders herzlich willkommen, Kinder ab 12 sind NICHT an der Garderobe abzugeben!

 Elke Schneider